Die Tänze, erklärt
Polens fünf Nationaltänze: Was Sie tatsächlich sehen
Polonez, Kujawiak, Mazurek, Krakowiak und Oberek: woher jeder Tanz stammt, was seinen Klang und seine Bewegung prägt und warum ein Folkloreprogramm sie in dieser Reihenfolge aufführt.
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| Tanz | Region | Gefühl |
|---|---|---|
| Polonaise | Der königliche Hof | Langsam, feierlich, ein Schreittanz im Dreiertakt |
| Kujawiak | Kujawien | Langsam und lyrisch, mit lockerem Rubato-Puls gespielt |
| Mazurek | Masowien | Mäßig, mit scharfem Akzent auf dem zweiten oder dritten Schlag |
| Krakowiak | Krakau & Kleinpolen | Schnell und synkopiert, im Zweiertakt |
| Oberek | Landesweit | Der schnellste: ein wirbelnder Drehtanz im Dreiertakt |
Fünf Tänze, versammelt aus einem ganzen Land
Polens „Nationaltänze" sind keine einzelne regionale Tradition — es sind fünf eigenständige Tänze, jeder verwurzelt in einem anderen Teil des Landes, die Komponisten und Choreografen des 19. Jahrhunderts zu einem gemeinsamen Repertoire zusammenführten, das landesweit aufgeführt wird. Ein voller Folkloreabend wie der bei Skansen Smaków baut auf derselben Idee auf: ein Durchlauf durch mehrere der fünf an einem Abend, statt eines tiefen Eintauchens in die Schritte nur einer Region.
Polonez: der Schreittanz, der den Abend eröffnet
Der Polonez wird im langsamen Dreiertakt getanzt, und er ist ein Schreittanz, kein Drehtanz — die Paare ziehen in feierlicher, gemächlicher Prozession über das Parkett, statt sich auf der Stelle zu drehen. Er war traditionell der Tanz, der einen polnischen Ball eröffnete, weshalb er meist auch ein Folkprogramm eröffnet: ein formeller, würdevoller Einzug, bevor das Tempo zu steigen beginnt.
Kujawiak: der langsame ohne festen Puls
Benannt nach Kujawien, der Region Zentralpolens um Włocławek und Inowrocław, wird der Kujawiak mit lockerem Rubato gespielt — das Tempo dehnt sich und kommt zur Ruhe, statt auf einem strengen Puls zu sitzen, im Geist eher einer gesungenen Melodie als einem Marschrhythmus verwandt. Er ist meist der langsamste und lyrischste der fünf, ein bewusster Kontrast, bevor die schnelleren Tänze übernehmen.
Mazurek und Krakowiak: die Mitte des Programms
Der Mazurek stammt aus Masowien, der Region um Warschau, und bewegt sich lebhafter als der Kujawiak – aufgebaut auf einer scharfen Betonung, die auf den zweiten oder dritten Schlag jedes Takts fällt statt auf den ersten, markiert durch einen Aufstampfen der Ferse. Der Krakowiak hingegen ist direkt nach Krakau und Kleinpolen benannt – ein schneller, synkopierter Tanz im Zweiertakt statt im Dreiertakt, getanzt von Paaren in der regionalen Tracht: der Mann mit Pfauenfederhut und gestreifter Hose, die Frau mit Blumenapron und Stiefeln. Da die hauseigene Truppe des Veranstaltungsorts aus Krakau stammt, ist dies meist der Tanz, der der Heimat am nächsten ist.
Oberek: der schnellste – und meist der letzte
Der Name des Oberek leitet sich vom polnischen obracać się ab, „sich drehen", und er ist der schnellste der fünf Nationaltänze – ein wirbelnder Tanz im Dreiertakt, auf den die anderen vier den ganzen Abend hinarbeiten. Er ist aus gutem Grund der traditionelle Abschluss eines Folkloreprogramms: Nichts im Repertoire ist schneller, und mit ihm endet ein Folkloreabend mit seinem letzten Höhepunkt, bevor der Saal sich wieder für Dessert und Kaffee setzt.
Die Tracht verrät Ihnen, welchen Tanz Sie gerade sehen
Jeder der fünf Tänze trägt traditionell seine eigene regionale Tracht, doch die Krakowiak-Tracht ist die, die die meisten Besucher erkennen, ist sie doch auch international Polens bekanntestes Folklorebild: die marineblaue Jacke des Mannes mit roten Borten, eine Rogatywka mit Pfauenfedern und gestreifte Hosen in schwarzen Stiefeln; der Blumenrock der Frau, die spitzenbesetzte Schürze und das Perlenmieder. Einfach auf einen Kostümwechsel zwischen den Tänzen zu achten, ist eine verlässliche Methode, um zu verfolgen, wo im Programm die Show gerade steht – auch ohne der Musik selbst zu folgen.
Die Band hinter dem Tanz
Eine polnische Folkloreband, die Tänze wie diese begleitet, stützt sich typischerweise auf Violine und Klarinette, die die Melodie tragen, mit Kontrabass oder Akkordeon darunter für den Rhythmus – dieselbe grobe Instrumentierung, ob der Tanz nun ein langsamer Kujawiak oder ein schneller Oberek ist, wobei Tempo und Betonung die Arbeit leisten, einen Tanz vom anderen zu unterscheiden, statt ein Wechsel des Instruments. Es lohnt sich, auf den Wechsel im Gefühl zwischen den Tänzen zu hören, auch wenn die Schritte selbst vom Tisch aus schwer zu verfolgen sind.
Vom gemeinsamen Tisch aus zuschauen, nicht vom Theaterplatz
Da ein solcher Folkloreabend im Gastraum eines Restaurants stattfindet und nicht im Theater, tanzen die Künstler meist in einer freigeräumten Fläche zwischen den Tischen statt auf einer erhöhten Bühne, was die Kostümdetails und die Fußarbeit näher bringt als ein formelles Folklorekonzert. Das bedeutet auch, dass die Sichtlinien je nach Sitzplatz variieren – wer mit dem Bus ankommt statt spät, sitzt tendenziell früher und hat eine klarere Sicht, sobald der Tanz beginnt.